Grundlage: Anycubic i3 Mega kalibrieren (E-Steps, PID-Tuning) – Marlin

An dieser Stelle möchte ich ein Paar Dinge ansprechen und gesammelt Dokumentieren, die ihr direkt am Anfang an eurem Anycubic i3 Mega durchführen solltet. 

Umbauten an sich sind erstmal out-of-the-box nicht nötig. Durch die nachfolgenden Optimierungen könnt ihr aber von vorn herein eine wichtige Grundlage für eine bessere Druckqualität schaffen.

Zum Kalibrieren benötigt ihr die Möglichkeit Terminal-Befehle an den Drucker senden zu können. Ihr könnt dazu bspw. Simplify3D, Pronterface oder Octoprint nutzen.

1. Extruder Motor kalibrieren (E-Steps)

Kurz und knapp wird durch die E-Steps-Kalibirierung (kalibrierung des Extruder Motors) sichergestellt, das die Menge an Filament die angefordert wurde auch tatsächlich gefördert wird. 
Sind die E-Steps von Werk aus so eingestellt, das ihr eine Überextrusion (zuviel Filament wird gefördert) oder eine Unterextrusion (zu wenig Filament wird gefördert) habt, macht sich das außer an der Druckqualität auch an einem erhöhten Materialverbrauch
(NUR BEI Überextrusion) bemerkbar .
Wenn ich 100mm Filament gefördert haben möchte, der Extruder Motor diese auch fördern. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Um herauszufinden wie viel Filament gefördert wird, wenn wie dem Drucker sagen, das er 100mm extrudieren soll, müssen wir als erstes eine 120mm Markierung am Filament vornehmen. Später extrudieren wir 100mm Filament und messen nach, wie viel mm noch bis zur Markierung übrig sind. Im Idealfall sollten noch 20mm zu messen sein, da dann auch wirklich die richtige Menge gefördert wurde. Diesen gemessenen Rest gebt ihr dann einfach in die unten stehende Tabelle ein. Folgt einfach den einzelnen Schritten in der Tabelle unten!

HINWEIS: BITTE entfernt zuvor das Filament aus dem Hotend und entfernt am Extruder den PTFE-Schauch aus dem Fitting. Die E-Steps werden OHNE Hotend und PTFE-Schlauch gemessen/eingestellt!! Auf vielen Seiten wird darauf NICHT hingewiesen!!

Anbei habe ich eine Tabelle erstellt, mit der ihr Eure Extruder Steps berechnen könnt. Alternativ könnt ihr euch auch mein Tool zum Berechnen runterladen. Dieses findet ihr im Beitrag „DIY3D Calculation Tool v0.1 (E-Steps, Extrusionsmultiplikator)„. Folgt dazu einfach den einzelnen Schritten und gebt die gemessenen/ausgelesenen Werte in die weißen Zellen ein, damit eine Berechnung mit euren Werten stattfindet.


2. Hotend kalibrieren (PID-Tuning)

Das sogenannte PID-Tuning sorgt dafür, das die eingestellte Temperatur besser und genauer gehalten wird.
Ohne das PID-Tuning kann es bspw. zu unschönen Rillen im Druckbild kommen, wenn die Temperatur während des Druckens zu arg schwankt.

Die normale Funktionsweise ist folgende.
Man stellt bspw. 200°C ein und es wird auf diese Temperatur aufgeheizt. Fällt die Temperatur nun um z.B. 0,6°C ab, wird wieder aufgeheizt. Dabei geht die Temperatur dann aber über 200°C (z.B. 200,9°C) und das Spiel geht von vorne los. 

Nach dem PID-Tuning wird dann 200°C erreicht und durch einen berechneten werden immer wieder durch kurze Impulse nachgeheizt, damit möglichst die 200°C gehalten werden. Das Resultat ist, das die Temperatur nur noch um z.B. +-0,2°C schwankt und nicht wie vorher um +-0,9°C oder gar noch mehr

Man führt das PID-Tuning wie folgt durch:

M106 (Lüfter auf 100% stellen)
M303 E-0 S230 C8 (wählt das PID-Tuning für Extruder-0 mit einer Zieltemperatur von 230°C und 8 Messzyklen)

PID-Autotune Hotend

In dem obigen Screenshot ist gut zu sehen, was während dem PID-Autotune passiert. Der drucker erhitzt das Hotend und lässt die Temperatur wieder fallen. Dadurch wird später ein Wert errechnet um das Hotend so zu steuernd. das die Temperatur gleichmäßig gehalten werden kann.

Nach ein paar Minuten warten sollte eine Meldung ausgegeben werden die bspw. wie folgt aussieht (bei Euch werden andere Werte stehen!!):

bias: 91 d: 91 min: 206.48 max: 213.59
Ku: 32.59 Tu: 26.48
Classic PID Kp:
19.56 Ki:1.48 Kd:64.72

Diese Werte müssen nun wie folgt an die Firmware eures Any übergeben und gespeichert werden (Ihr müsst Eure Werte ablesen und eingeben!!):

M301 P19.56 I1.48 D64.72
M500 (zum speichern)
M106 S0 (Lüfter wieder ausschalten)

3. Heizbett kalibrieren (PID-Tuning) – ACHTUNG ANDERE FIRMWARE BENÖTIGT

Genauso wie das Kalibrieren des hotends, könnt ihr auch das Aufheizen und das Halten der Temperatur an dem Heizbett mit dem PID-Tuning kalibrieren.

Dazu wird jedoch eine Custom Firmware benötigt in welcher diese Option aktiviert ist !!Eine Marlin 1.1.9 Version mit dieser Option habe ich für Euch abgelegt.

Solltet ihr eine Firmware mit aktivierter Option bereits auf eurem Drucker haben, könnt ihr das PID-Tuning wie folgt durchführen.

M303 E-1 S60 C8 (wählt das PID Tuning, wählt Heizbett 1, Zieltemperatur 60 Grad und 8 Messzyklen)

Nach ein paar Minuten warten sollte eine Meldung ausgegeben werden die bspw. wie folgt aussieht (bei Euch werden andere Werte stehen!!):

bias: 50 d: 50 min: 52.97 max: 53.13  
Ku: 814.87 Tu: 11.80
Classic PID
Kp: 488.92
Ki: 82.89
Kd: 720.98

Nun müssen die Ermittelten Werte mit folgendem Befehl an die Firmware übertragen und gespeichert werden.

Bitte denkt dran das Ihr die Werte unter P, I und D mit den von Euch ermittelten ersetzt!!

M304 P488.92 I82.89 D720.98 (Werte unter P, I und D mit den von Euch ermittelten ersetzen!!)
M500 (um die Werte zu speichern.)

15 Gedanken zu “Grundlage: Anycubic i3 Mega kalibrieren (E-Steps, PID-Tuning) – Marlin”

  1. Hallo Christian,
    danke für diese ausführliche Anleitung.
    Das habe ich gut umgesetzt.
    Mich würde noch interessieren, wie man die Achsen kalibriert um so maßhaltig wie möglich zu drucken. Ich habe immer leicht größere Objekte und Löcher sind immer zu klein. Also kann das ja nicht am schrumpfen das Materials liegen. Wäre echt klasse wenn du mir da helfen könntest.
    Gruß Uwe

    1. Hallo Uwe. Vielen Dank und super das es bei dir gut geklappt hat. Das bekommst du durch das anpassen deiner Settings recht gut hin. Nächste Woche hoffe ich etwas in der Eichtung schreiben zu können. Ist kein Hexenwerk. Es geht um den Extrusions Multiplikator oder auch Fluss genannt. Je nach slicer.

  2. Hallo Christian, danke für deine Anleitung. Klappt alles super, bis auf die Alternative Software, da trau ich mich nicht ran.
    Ich hab eine Frage zum Kalibrieren. Als ich alle Achsen auf Home geschickt hab, hab ich gesehen, das die Nozzle das Druckbett (vorne links) runterdrückt. Über die Betteinstellschrauben kann ich das Bett aber nicht weit genug von der Nozzle entfernen. Kann ich dem Drucker einen neuen Nullpunkt für die Z-Achse beibringen? Oder muss ich da mechanisch ran?
    Bin da ziemlich neu in der Materie…
    LG Auke

  3. Hallo Christian,
    habe seit kurzem einen Any mega s. Bin auch bis jetzt zufrieden und ganz heiss Dinge zu drucken. Die ersten haben auch ganz gut geklappt. Seltsamerweise hat dann aber der Drucker gestreikt. Dh. er hat aufgeheizt aber dann nicht gedruckt. Ich habe dann den HInweis gefunden ein PID-Tuning vom Hotend zu machen. Die Vorgehensweise habe ich dann oben gefunden und dies nach Anleitung durchgeführt. Vielmehr ich habs versucht. Bis zu den PID-Werten bin ich gekommen aber diese konnte ich mit dem Kommando nicht an den Drucker senden. SInd einfach nicht durchgegangen. Scheint so als sei der Befehl nicht angekommen. Kam auch kein Echo zurück. Somit PID-Tuning nicht erfolgreich…
    Dann hab ich mir gedacht, die Nozzle vor dem Druck beim Aufheizen mit einem Tuch zu „isolieren“ und siehe da er druckt.
    ALso doch die Temperatur. Die schwankt aber ganz schön. Wenn ich 200°C einstelle, pendelt diese anfangs von 208 bis runter auf 194° und so fort. Von wegen 0,2°…. Wie bekomme ich da hin?
    Hoffe du hast einen heißen Tip…
    Grüßle aus TÜ

  4. Hallöchen Liebe Leute,

    ich habe das Problem das ich immer die Fehlermeldung PID Autotune failed! Temperature too high erhalte. erst ab einer Temp von 180 grad läuft der Test an. Ich habe was gelesen das ich in der Firmware etwas ändern muss aber ich hab da keine Ahnung wie ich das anstelle. Ich hoffe ich nerve nicht und ihr könnt mir helfen.

    Besten dank auf jeden fall für diese Anleitung hier, hat mir auch in anderen Punkten geholfen meinen Drucker besser kennen zu lernen.

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